alps hypertexte
Irgendwann vor 2-3 Jahren hatte ich von Nanoblogger gehört, fand es interessant und habe es erst mal wieder vergessen; gestern habe ich mir Nanoblogger nochmal installiert.
Nanoblogger ist nicht für jeden etwas, besser gesagt, es ist genau das Richtige für Sysadmins, die die Kommandozeile kennen und schätzen. Denn das Ganze ist ein Haufen Bash-Skripte, die sich durch Kommandozeilenbefehle steuern lassen. Dabei läuft alles (Schreiben, Verwaltung des Blogs etc) lokal auf deinem Rechner ab, ausgespuckt werden statische HTML-Seiten.
Damit wäre das auch das Ende der meisten Sicherheitsprobleme auf dem Webserver, die vom CMS kommen können. Denn das Publishen erledigt z.B. ein Skript, welches die lokal erstellten HTML-Seiten nur noch per FTP/SCP/rsync auf den Webserver überträgt. Kein PHP, kein Perl, kein Mysql ... nur statische Seiten auf dem Webserver.
Die Auswirkungen sind vielfältig. Man muss nicht mehr "aus Sicherheitsgründen" upgraden, sondern nur noch, wenn man von Bugfixes und Feature-Erweiterungen profitieren möchte. Ich will nicht mehr "upgraden müssen", sondern "upgraden wollen".
Marktübliche Blog-Tools unterliegen auch meist marktüblichen Gesetzen; sie müssen z.B. ihren Benutzern gefallen. Wenn also eine Gruppe XYZ-Tool-Blogger komfortablere Eingabe-Interfaces haben möchten, müssen alle anderen notgedrungen diesen Trend mitmachen. Auch wenn man die neue Funktionalität deaktiviert, die entsprechende Skripte liegen mit all ihrer eigenen Komplexität und ihren eigenen Lücken mit auf dem Webserver.
Bei Nanoblogger benutzt du zur Eingabe deinen favorisierten Editor, ob nun vim oder OpenOffice. Durch die Kommandozeilensteuerung hat man auch viel mehr Möglichkeiten, das Weblog mit Ereignissen, die in deinem lokalen System statt finden, zu verknüpfen. Denn technisch gesehen kann man mit nanoblogger alles posten, was sich auch als Textdatei lokal ablegen lässt. So sind "terminierte Postings" nur ein weiterer Cronjob auf deinem System oder die Sicherung des Blogs nur ein weiterer Pfad, der mit ins tägliche Backup mit aufgenommen werden muss. Kurz: Wer schon unixoide Systeme administriert, kann darüber auch gleich sein Weblog mitadministrieren. Eine nicht zu unterschätzende Arbeitserleichterung.
All diese Vorteile für einen Linux-Admin sind auch gleichzeitig Nachteile für andere. Ich mag an Nanoblogger besonders:
So ist auch folgender hausgemachter Nachteil in meinen Augen ein Vorteil: Nanoblogger hat kein integriertes Kommentarsystem. Dafür muss man auf andere Skipte oder externe Lösungen zurückgreifen, die am Ende des Manuals gelistet sind. Für klassisches Bloggen ist das natürlich umständlich, sich extra um diese Funktionalität kümmern zu müssen. Aber wenn man Blogs/Sites betreiben will, wo man keine Kommentare zulassen möchte, sollte man Nanoblogger in Erwägung ziehen. Besser, als vorhandene Kommentarmodule deaktivieren zu müssen, ist, erst gar keine Huckepack zu haben. No Function, no target. Das Selbe gilt für Trackbacks. Aber die sind für mich sowieso nur sekundär. Manuelle Trackbacks sind irgendwie viel authentischer. Aufgrund der konzeptionellen Schönheit dieses Tools, wäre ich auch bereit, diese kleine Mehrarbeit in Kauf zu nehmen.
Nanobloggers Konzepte sind nicht neu (4 jahre alt, vielleicht?) und finden sich mehr (z.B. im Diary Generator) oder weniger (Movable Type erstellt mittels Perl-Skripte auf dem Webserver statische Seiten) auch in anderen Tools wieder. In Zeiten steigender Stabilitäts- und Sicherheitsbedürfnisse und der Open-Source'isierung der Desktops, kommen solche Tools aber genau richtig.
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